Altglas – semianalog

Kamera

Altglas kommt in den Container oder an die Kamera. Der Recyclingbegriff wird auf eine umweltschonende Art recycelt und bekommt mit der homonymen Anmutung etwas unerwartet Nostalgisches. Dabei gehört der beitrag nur semi hier hinein, denn das, womit ich die Fotos mache, ist eben nur semi-analog. Dennoch ist das eine gute Bühne, weil Bilder folgen.

Das Altglas ist nichts anderes, als ein analoges Objektiv. Analog deshalb, weil es unter Anderem einen Blendenring besitzt und keine elektrischen Kontakte. Scharf gestellt wird von Hand, der Rest ist Glückssache bei fehlender Stabilisierung (Canon hat die im Objektiv, warum auch immer). Das Ergebnis ist spannend. neben unglaublich schönen Bokehs (Ich träume noch vom Helioplan, aber das wird mit Gold aufgewogen) haben die Bilder eine weichere Anmutung, fast, aber eben nur fast wie Filmfotografie. Und jetzt lasse ich die Bilder sprechen. Die Objektive sind durchweg eher günstig erstanden, nichts großes, teures dabei, eher Grabbelkiste. Doch es macht Spaß.

Alice aus der Semi-Dunkelkammer 😉

Werbung

Pinhole

Analoge Fotografie, Kamera, Pinhole

Lochkameras finde ich faszinierend. Noch faszinierender ist für mich die Vorstellung, dass offensichtlich ein kleines Loch in einer schwarzen Kiste und ein bisschen Filmmaterial reicht, um ein scharfes Bild zu machen. Jedes Mal staune ich, muss ich gestehen, wenn ich die Negative aus der Suppe ziehe und wirklich etwas drauf ist.

Allzu oft darf sie nicht mit, muss ich gestehen, manchmal fehlt mir einfach die Geduld bei minutenlanger Belichtungszeit ohne eine Idee davon, was tatsächlich darauf zu sehen ist, denn anvisieren kann ich nur durch Peilen über die Kante. Mit einer Blende von etwa 350 ist allerdings fast alles in „Schussrichtung“ ordentlich scharf.

Alice aus der Dunkelkammer

Achtfach

Analoge Fotografie, Kamera

Manchmal, nein eigentlich immer, wenn ich etwas Interessantes lese, möchte ich das ausprobieren. Da waren die Lithprints, die ich sicherlich nicht das letzte Mal machte und noch ein paar andere Tricks, die einfach mal getestet werden müssen, bevor sie ins Repertoire wandern.

In einer FB-Gruppe las ich etwas über Mehrfachbelichtungen. Eigentlich ganz einfach, wenn die Kamera das kann und man eine Anleitung hat, inwieweit pro „Schuss“ unterzubelichten ist. Die Idee ist, ein Motiv frei Hand so oft wie möglich zu knipsen. Dass es dabei verwackelt, gehört dazu und quasi zum guten Ton. Jetzt schafft meine Nikon keine 32x, sondern nur 8x. Zum Ausprobieren ausreichend, entschied ich und wagte das Experiment im Garten. Die Ergebnisse sind anders, vor allem, da der Wunsch nach gestochen scharfen Bildern hier nicht erwünscht wird. Eher das Gegenteil ist der Fall und eine eigentümliche Dynamik und Verfremdung entsteht dafür.

Ich lasse mal Bilder sprechen und ergänze auch ein paar wirklich schöne Einfachbelichtungen einer weißen Tulpe.

Alice aus der Dunkelkammer

Der helle Wahnsinn

Analoge Fotografie, Kamera

Ich wusste, dass ich eine Kamera zum Geburtstag bekomme, hatte mir so eine alte Pressekamera ja gewünscht, allerdings den japanischen Nachbau weil das doch echt ein Kostenfaktor ist. Jetzt ist sie da, die Linhof Technika 70 und ich bin schockverliebt. Satte 5kg bringt die Dame auf die Waage, doch sie ist es wert, dass man sich einen Bruch an ihr hebt. Bekommen habe ich sie natürlich, wie das bei uns so langsam Sitte ist, vor meinem Geburtstag, auch der Mann konnte nicht abwarten.

Ich lasse jetzt einfach die Bilder sprechen. Die von den Bäumen sind im übrigen frei Hand aufgenommen worden. (Ja, das geht)

Alice aus der Dunkelkammer

Spazierbilder

Analoge Fotografie, Kamera

Alte neue Kameras brauchen Probeläufe. Und nachdem der erste mit der Nikon F-801s an Überbelichtung gescheitert ist, musste ein zweiter Versuch ran. Dieses Mal nach Lektüre des Handbuches und mit Spotmessung.

Es sind Wald- und Wiesenbildchen geworden, weil ich nichts Wichtiges fotografieren (Testlauf), allerdings den Film auch nicht verdaddeln wollte. Herausgekommen ist das hier und ich muss sagen, die Lady kann was..

Alice aus der Dunkelkammer

Nicht vor dem Einschlafen betrachten

Analoge Fotografie, Kamera

Jede neu zu mir stoßende Kamera durchläuft ein kleines Prozedere. Ich schaue, ob die Blende sich schließt und öffnet, der Verschluss funktioniert und die Zeiten einigermaßen plausibel klingen. Dann wird ein Film eingelegt und gemäß Anzeige belichtet. Dabei fotografiere ich weniger Wichtiges. Einfach nur in die Landschaft halten wäre Verschwendung, falls dann doch einmal ein gutes Motiv dazwischenrutscht, tolle Sachen zu fotografieren macht es ärgerlich, wenn irgendetwas daran nicht stimmt und der Film für die Mülltonne ist.

Die Porstreflex C-TL II ist ein eckiger Trum, schwer und klobig und dennoch oder gerade deswegen, irgendwie sympathisch. Das passende Weitwinkelobjektiv ist leichtgängig, hat eine nette Makrofunktion, ist allerdings ein wenig undeutlich beim scharf stellen.

Was mich direkt ein wenig ärgerte, ist, dass fast alle Bilder leicht überbelichtet sind. In der Dunkelkammer ist das kein Problem, beim Scannen schwächelt dieser, er ist halt untere Preisklasse. Vielleicht sollte ich doch beginnen, sie abzufotografieren.

Als ich loszog war düsteres Wetter und irgendwie war mein Kopf wohl voll morbider Ideen. Was dabei rausgekommen ist, sollte man nicht vor dem Einschlafen betrachten.

Alice aus der Dunkelkammer

Doppeltgemoppelt

Analoge Fotografie, Kamera

Analoge Kameras belegen mittlerweile eine Nische. Früher gehörten sie zu jedem Haushalt, genau wie der Barschrank und die Kittelschürze der Oma. Und genau wie die genannten, scheinen sie sich überholt zu haben. Als die digitalen Kameras auf dem Markt erschienen, wurden die analogen fast überall in den Winterschlaf versetzt. Oft landeten sie im Sozialkaufhaus oder wurden noch schnell weiterverschenkt. Bloß weg damit, war der Tenor.

Glücklicherweise haben sie in dieser Nische überlebt. Es werden immer noch Filme produziert, sogar entwickeln lassen kann man sie noch, wenn man einen langen Atem hat. Vielleicht liegt es daran, dass die Digitalen sich nicht davon bedroht fühlen. Wer mit einem Dreipfundmonstrum, an dem alles rein manuell eingestellt werden muss, durch die Stadt streift, wird eher als Freak belächelt. Die Überzeugung, dass jedes Handy bessere Bilder mache, als dieses mechanische Trum, ist weit verbreitet.

Es ist ja auch richtig, dass mit nahezu jeder Durchschnittssoftware solche Effekte wie auf diesem Bild erzeugt werden können. Wahrscheinlich sogar bessere.

Als ich vor etwa zwei Jahren begann, mich ernsthafter mit analoger Photographie auseinanderzusetzen, las ich einen Artikel, in dem es um Doppelbelichtungen ging, rein analog, versteht sich. Und in mir regte sich der Wunsch, das ebenfalls zu probieren. Da die Porst CR-1 nicht dazu gedacht war, Doppelbelichtungen zuzulassen, belichtete ich den ganzen Film normal. Ich fotografierte Bäume und Häuser, Zweige und Strukturen. Allerdings belichtete ich den ISO 100-Film so, als hätte er eine doppelt so hohe Empfindlichkeit. Danach spulte ich ihn zurück, passte auf, dass die Lasche nicht in der Hülse verschwand und legte ihn noch einmal ein. Selbes Spiel, nur dieses Mal landeten auch ein paar Portraits darunter.

Wunderbarerweise ist bei meinem ersten Versuch nicht passiert, was mich seitdem bei Doppelbelichtungen verfolgte. Der Film ist nicht einen Millimeter verrutscht und jedes zweite Bild sitzt exakt auf dem des ersten Durchgangs. Das habe ich seitdem übrigens nicht mehr geschafft und nutze zugegeben mittlerweile eine etwas modernere Canon, die Doppelbelichtungen integriert hat. Da ist dann auch ein wenig mehr Kontrolle darüber vorhanden, welche Bilder miteinander kombiniert werden.

Doppelgemoppelt, ich glaube, das Wort sagt heute kaum noch jemand.

Alice aus der Dunkelkammer

Mit richtig altem Glas unterwegs

Analoge Fotografie, Kamera

Die Agfa Isola wurde zwischen 1927 und 1935 gebaut, gehört also zu den richtig alten Schätzen. Vor ein paar Monaten entdeckte ich sie bei den Kleinanzeigen, doch bisher war sie mehr Deko als Gebrauchsstück. Ich hatte das Gefühl, ich müsste noch ein bisschen lernen, bevor ich mich ihr stellen konnte. Und die Entscheidung war gut, denn sie ist eine etwas umständliche ältere Dame.

Wie so oft, funktionieren die langsamen Zeiten nicht mehr so richtig. 1/100 und 1/200 Sekunden tun es allerdings noch hinreichend genau. Damit ist man bei gutem Wetter prima aufgestellt. Wird es dunkler, muss man improvisieren. Die kleinste Blende ist 44, was bedeutet, dass wirklich wenig Licht durchkommt. Und dann ist es fast wie im wilden Westen, denn man öffnet und schließt die Kamera von Hand und zählt (oder lässt vom Handy zählen) die Sekunden. Die Einstellungen dazu beziehe ich aus Belichtungsapps, Googleplay sei Dank.

Als Filmmaterial nutze ich Planfilm (9×12, leider nicht mehr so geläufig, da hat Kodak mit dem 4×5″ eindeutig noch mehr Marktanteile) und Rollfilm. Entwickelt sind die folgenden Bilder in XTOL, auch da nutze ich inzwischen eine App. Erstaunlich ist die Schärfe der entstehenden Bilder. ich wurde gewarnt, dass die Bilder etwas fluffig sein könnten, doch das Gegenteil ist der Fall, sie bestechen durch eine wirklich gute Schärfe und stehen moderneren analogen Kameras in nichts nach.

Der Pferdefuß ist allerdings die Bedienung. Da ich für diese Kamera ein ebenso altes Holzstativ habe (das Gewinde ist für die aktuellen Stative zu groß, doch da wird umgerüstet werden müssen), wackelt der Aufbau ganz gewaltig. Die Arbeitsschritte sind – zumindest momentan – nur im Team sicher zu bewältigen. Vom Auswählen des Bildausschnittes über die Mattscheibe an der Rückseite, das Scharfstellen, das Einstellen der Zeiten, das Auswechseln der Rückwand auf Planfilm- oder Rollfilmträger, immer muss einer die Kamera festhalten und sicherstellen, dass sie weder umkippt, noch ihren Bildausschnitt verschiebt. Da waren vier Hände manchmal fast zu wenig.

Die nachfolgenden Bilder sind durch Negativscan entstanden und nachbearbeitet (Das Beste aus zwei Welten für mich, auch wenn manche das anders sehen. Meine Bilder, meine Regeln). Sie sind in und um meine Wahlheimat aufgenommen worden.

Alice aus der Dunkelkammer

Heureka

Analoge Fotografie, Kamera

Manchmal macht es einfach Klick und das nicht nur, wenn ich den Auslöser betätige.

Heutzutage, bei der Benutzung digitaler Aufnahmegeräte, ist die Nachbearbeitung nahezu ein Muss. (Abgesehen von Handyaufnahmen, wo schon beim Fotografieren automatisch so viel optimiert wird, dass vom echten Bild nur noch Rudimentäres bleibt) Die Anderen nehmen in RAW auf (mach ich auch, wenn ich mal digital unterwegs bin) und entwickeln das Bild mit irgendeinem Bearbeitungsprogramm. Und vollkommen egal, welches man nutzt, ob Lightroom, Photoshop oder Luminar, alle haben eine Möglichkeit dunkle Bereiche aufzuhellen oder zu helle abzudunkeln.

Gut, abdunkeln heißt nachbelichten, das leuchtet relativ schnell ein, wenn man ein bisschen Ahnung von der Materie hat. Aber abwedeln? Was hat wedeln mit Licht zu tun? Heute morgen, als ich in der Wanne saß, die Haarfarbe die grauen Strähnchen entfernte und ich ganz entspannt über die nächste Dunkelkammersession sinnierte, fiel es mir ein. In der Anleitung meines großen Durstvergrößerers, die mein Sohn netterweise aus dem Englischen übersetzte, fanden sich auch Tipps und Tricks. Und einer davon war das Abwedeln. Aber dieses Mal vollkommen analog.

Ist das Bild also an einer kleinen Stelle zu dunkel und die Kontraste drohen abzusaufen, nimmt man ein Stück Draht, klebt vorne einen Minizettel dran und wedelt bei der Belichtung mit dem Vergrößerer an der zu dunklen Stelle. Dadurch kommt weniger Licht daran und die Stelle bleibt heller. Es ist wirklich witzig, wie sich solche Begriffe im digitalen Zeitalter halten. Für mich war es eine Erkenntnis, versierte Analogfotografen werden wahrscheinlich nur abwinken und müde lächeln.

Alice aus der Dunkelkammer

Irgendwie fängt es an

Analoge Fotografie, Kamera

Mit ihr fing es vor etwa zwei Jahren ernsthaft an. Als ich realisieren musste, dass meine alte Spiegelreflex offenbar endgültig kaputt war und auch die geschenkte Seniorin nicht dazu bereit schien, ein paar Bilder zu machen, zog mein Mann die alte Porst CR-1 aus dem Hut. Irgendwann vom Onkel geschenkt bekommen, ausgestattet mit einem Weitwinkel und einem Teleobjektiv, begleitete sie mich recht zuverlässig.

Die Porst CR-1 (hier die technischen Daten einer externen Website) ist prima für den Einstieg und hat mich auf den ersten Ausflügen begleitet. Ich glaube, so lange man sie nicht im Regen stehen oder fallen lässt, kann nicht wirklich was passieren. Der einzige Wermutstropfen ist ein kleiner Fluse am oberen Rand des Verschlusses, der sich auf allen Bildern zeigt.

Mit ihr habe ich fast das ganze erste Jahr zugebracht. Die bald dazu erworbene Pentax ist Stiefkind geblieben, obwohl ich mit der mein altes Vivitar Teleobjektiv benutzen kann.

Ich nehme sie immer noch mit und sie ist immer noch geladen, so dass ein Griff in den Schrank eine sichere Bank ist. Sie weiß, wie ich ticke, meine ich manchmal, auch wenn das seltsam klingen mag. Wir sind uns vertraut und mit ihr ist tatsächlich bis heute kaum ein Bild verloren gegangen.

Alice