Geduldsspiel

Analoge Fotografie, Dunkelkammer

Lithprints dauern. Anders ist es nicht zu formulieren. In der Zeit, in der ich mit anderen Entwicklern gut 20 Bilder entwickeln würde, schaffe ich hier fünf oder sechs. Die Ergebnisse sind dafür spektakulär und unwiederholbar. Ich lasse mal die Abzüge sprechen.

Alice aus der Dunkelkammer

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Wenn die Chemie stimmt

Analoge Fotografie, Dunkelkammer

Analoges Fotografieren ist teuer, da gibt es keine Diskussion. Sind die Kameras noch billig, zumindest die 08/15-Modelle, hauen die Filme mit den 36 Bildern rein, die Entwicklerchemie und das Equipment kommen dazu. Vergrößert man selber, so wie ich, erweitert sich das Spektrum um Einiges.

Begonnen habe ich bei den ersten Fotos mit Ilfordpapier. Sicherlich gut, aber auch eher teuer und bei meiner Ausschussproduktion ungünstig. In einem Fotofachversand hatte ich dann eine größere Auswahl als beim großen A und entdeckte Fomapan. Preiswerter und etwas idiotensicher, kein High-End-Papier, doch ordentlich und für meine Fähigkeiten durchaus passend. Doch auch dort ging es ins Geld und ich las, dass man auch direkt bei der Firma bestellen kann unter Umgehung des Zwischenhandels.

Gesagt, getan, einen ordentlichen Auftrag ausgefüllt mit allerlei verschiedenen Papieren, Filmen und einem Haufen Chemie, der dort wirklich recht günstig ist. Einiges, was als Pülverchen kommt, werde ich mir auf Halde legen. Erfahrungsgemäß hält eine angesetzte Lösung nicht so lange. Doch unaufgelöst sind sie nahezu unbegrenzt haltbar, man weiß ja nie.

Und jetzt in wenigen Stops, kommt das Paket auf dem östlicheren Europa zu mir und ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, was ich da eigentlich alles zusammenbestellt habe.

Alice aus der Dunkelkammer

Nachtrag

Analoge Fotografie, Dunkelkammer

Nicht immer klappt alles sofort und muss es auch nicht. Die Dunkelkammer war heute mein, die Ergebnisse sind – zufriedenstellend, doch da geht noch was. Abwedeln habe ich heute geübt, um helle Ecken etwas dunkler zu machen, aber das eigentliche Bild nicht. geht, wenn auch noch etwas gewöhnungsbedürftig und ich trau mich nicht so wirklich. Oder nicht genug.

Die Belichtungszeiten gingen tendenziell gegen unendlich. Kleine Bilder groß, Blende zu und ein Negativ, das etwas (zu) viel Licht bekommen hat. So ganz wurde es dennoch nicht, wie ich es mir wünschte, doch das wird. Momentan trocknen die Ergebnisse zwischen Löschpapier, um dem Faltenwurf Herr zu werden. Stattdessen noch ein paar digital bearbeitete Scans, ist ja auch ganz nett.

Alice aus der Dunkelkammer

Was verborgen scheint

Analoge Fotografie, Dunkelkammer

Negative sind geheimnisvoll. Nicht nur, dass die Welt verdreht erscheint, dunkles hell und helles dunkel ist. Nein, auch der Grad der Belichtung verschleiert häufig das Schöne, das sich darin verbirgt.

Prinzipiell sollte man analog leicht überbelichten. So ein Durchschnitssfilm kann eine Menge Licht vertragen. Das Negativ wird dunkler und in diesen für den Scanner kaum zu bewältigenden finsteren Flecken verbergen sich wundervolle Grauzeichnungen.

Dieses Bild von der Rose, aufgenommen im Spätsommer war sehr überbelichtet. Was schief gelaufen ist, weiß ich gar nicht. Auf dem Scanner war das Bild nur durch reichlich Tricks zu retten und die schöne Schattenzeichnung fehlte.

In der Dunkelkammer mit viel Licht, ergab sich ein wundervolles Korn und genau das, was ich haben wollte.

Umgekehrt funktioniert das selten. Helle Stellen haben keine Information. Zu helle Negative kann der Scanner zwar ganz gut verarbeiten, allerdings fehlt dann oft die Tiefe. Umso überraschter war ich, als ich das flaue Mittelformatnegativ, das mein Mann in Moyland mit der alten Agfa Isolette seines Opas aufnahm, ausbelichtete. Auf wenig Licht kommt wenig Licht und nach 15 Sekunden erschien das hier.

Es war genau das, was wir gesehen hatten. Düster und geheimnisvoll. Ein Plädoyer für die Dunkelkammer, auch wenn ich gerade nicht so ganz weiß, wo ich die ganzen Fotos aufhängen soll. Im PC sind sie doch platzsparender abgelegt.

Al7ce aus der Dunkelkammer

Auf der Wäscheleine

Analoge Fotografie, Dunkelkammer

Manche Tage schreien nach der Dunkelkammer. Das sind solche, wo für sämtliche Outdooraktivitäten das Wetter zu schäbig ist und ich, als Dauerfrostbeule, lieber auf dem Sofa kuscheln würde. Das Sofa ist allerdings auf Dauer zu langweilig und auch wenn es Sonntag ist und tatsächlich das Herumschludern erlaubt, irgendwann habe ich immer das Gefühl, das ich mich wundliege.

Gerade keine Lust zu lesen, nicht ins Atelier, keinen Bock auf Zeichenstifte und fotografieren fällt flach wegen des miesen Wetters. Dann zieht es mich in die Dunkelkammer. Und auch, wenn ich jetzt den Eindruck erweckte, das sei meine letzte Wahl, sie ist es nicht. Tatsächlich überfallen mich Hobbys anfallsartig und ich gehe in ihnen auf, bis mir was anderes vor die Flinte kommt. Ergo drehe ich mit zwischen der analogen Fotografie und all ihren Auswüchsen, dem Zeichnen und dem Schreiben hin und her. Mal gewinnt das eine, dann verliert das andere. Im Ergebnis werde ich tatsächlich keinem so richtig gerecht. Doch das ist leider mein persönliches Problem.

Gestern war also Dunkelkammerzeit und sie war fruchtbar. Der neue alte Vergrößerer wurde eingehender getestet, ich verzichtete bewusst darauf, auf den tatsächlich besser für Kleinbild geeigneten umzusteigen. Andererseits vergrößerte ich zum ersten Mal Kleinbild auf 18×24 und wäre das Papier nicht so teuer, würde ich auch noch größer werden. Die Motive wählte ich vorher aus den Scans aus und markierte sie mir auf den Negativhüllen. Das war ein für mich sinnvoller Trick. Was habe ich mir bei der spärlichen Dukabeleuchtung schon einen Wolf gesucht und am Ende das gewünschte Negativ doch nicht gefunden.

Ausbelichtet habe ich auf Barytpapier von Fomapan. Ein wunderbar mattes Papier mit dem einzigen Nachteil, dass es sich wellt wie bescheuert. Da ich allerdings keine Lust auf eine sündhaft teure Trockenpresse habe, kuscheln sich die Abzüge gerade zwischen Löschpapier, Handtüchern und schweren Büchern. So habe ich das früher mit den Herbarien meiner Söhne auch gemacht.

Alice aus der Dunkelkammer

Im dunklen Keller

Analoge Fotografie, Dunkelkammer

Wer nicht nur entwickeln möchte, sondern auch Papierabzüge herstellen, kommt an einer Dunkelkammer nicht vorbei. Ich muss gestehen, ich habe es im Badezimmer versucht und auch im hauswirtschaftsraum. Der Vorteil ist fließendes Wasser, der Nachteil Platzmangel und in meinem Fall ganz massiv die Schwierigkeit, sämtliches Licht auszusperren, denn das ist die Voraussetzung.

Was habe ich nicht alles gebastelt mit Müllbeuteln und Tüchern, nur um am Ende festzustellen, dass sich immer noch ein Lichtschein durchschlängelt und ich – bevor ich loslegen kann, noch abkleben und bedecken muss. Der Keller erschien mir immer als gute Idee, nur der war feucht. Ohne es zu wissen, hatten wir einen Riss in einer Abwasserleitung und das tröpfelte. Und bei einem so alten Haus hinterfragt man nicht so viel, da ist der Keller feucht, basta. Erst, als das angeknackste Rohr endgültig den Geist aufgab, merkten wir, was da los war. 40m³ Wasser im Keller, großer Schaden, doch leider nicht zu ändern. Und rückblickend tatsächlich ein Segen.

Es dauerte, bis alles trocken war, ein Luftentfeuchter steht immer noch dort unten, aber wir haben komfortable 55%, da sollte nichts schimmeln, gammeln oder rosten. Und da unten ist dieser kleine Raum, fensterlos, ein etwa 8m² großes Nebengelass. Ich nahm es für mich in Anspruch. Wir strichen den bröseligen Putz mit Tapeziergrund, in den wie – aus Sicherheitsgründen – so ein Antischimmelzeug gekippt hatten. Der Tapeziergrund verfestigt den Putz, das Schimmelzeug dient der Beruhigung, denn dort unten haben sich mal ausreichend Sporen getummelt. Ich muss gestehen, dass ich, was Schimmel angeht wirklich empfindlich bin. Aber dort unten juckt noch nicht mal die Nase.

Vor der Tür hängt schweres schwarzes Molton, ein feuerresistenter, preiswerter und absolut lichtdichter Schutz. Lediglich ein separater Lichtschalter für den hinteren Raum fehlt (noch), ich habe immer Sorge, dass im falschen Moment jemand runterkommt und die Festbeleuchtung einschaltet.

Über die letzten zwei Jahre war ich auf Schnäppchenjagd. Vergrößerer sind recht günstig zu bekommen, wenn man die Augen aufhält. Ich bin – mehr durch Zufall – bei Durst gelandet und geblieben. Seit gestern habe ich den dritten und größten dieses Herstellers und damit ist Schluss. Mehr Platz habe ich nicht und der Nächstgrößere würde ein halbes Vermögen kosten, Schnäppchen hin oder her. Da ich mit Kleinbild begann, suchte ich einen kleinen netten und auch mobilen (noch keine feste Dunkelkammer) Vergrößerer und fand diesen hier.

Ausgestattet mit einem 50mm Objektiv, noch ohne Maskenrahmen und ähnlichen Luxus, verfügt er zumindest über eine Filterschublade. Der Rest ist simpel , reicht aber, um das Prinzip verstehen zu lernen. Ich muss gestehen, dass die ersten Ergebnisse ernüchternd waren, doch das lag an mir und nicht an der Ausstattung. Dann kamen die Mittelformatkameras in mein Leben und damit die großen negative, also 6x6cm. Die lassen sich bestenfalls ausschnittweise damit auf Papier bannen, deswegen schaute ich mich um und fand diesen hier.

Der Durst 606 kann schon eine ganze Menge, ist locker doppelt so groß wie der erste und wäre eigentlich ausreichend gewesen. Wäre, wenn nicht der Sohn auf die Idee gekommen wäre Planfilm zu belichten. Jetzt kann ich Planfilm sehr gut scannen, doch der Sohn jammerte und ich schaute nachdenklich auf die 6×9 Negative. Kurzum, ich schaute mich um und fand dieses Geschoss.

Der Durst M700 ist verflixt groß und schwer und wird definitiv der letzte sein in dieser Riege. Von Papierabzügen von Planfilm (bzw. 6×9-Ausschnitt davon) bin ich noch einen Einschubkondensor entfernt, doch das ist ein Problem, was sich lösen lassen wird. Der beiliegende hat – neben einem kleinen Schlag) – leider die falsche Größe. Der Unicon 85 ist für Mittelformat 6×6 vorgesehen und wenn man sich trotzdem an das Ausbelichten setzt, passiert dann das hier.

Das Bild ist nicht vollständig und gleichmäßig belichtet, es gibt dunklere und recht blasse Stellen. Ein größerer Einschubkondensor würde das vermeiden. leider sind diese Teile recht teuer, also steht noch einmal Schnäppchenjagd auf dem Programm. Wäre ja auch schön, wenn alles so einfach wäre.

Alice aus der Dunkelkammer

Kauderwelsch

Analoge Fotografie, Dunkelkammer

Es mutet für mich immer ein wenig seltsam an, wenn ich nach dem ganzen Prozess der analogen Fotografie (was mit der aktuellen Auswahl der Kamera beginnt und der Frage, wie aufwändig möchte ich heute fotografieren), der Filmauswahl (wie ist das Wetter? Was will ich knipsen?), der Entwicklung im Chemiegepansche und der anschließenden Dunkelkammerarbeit, ein Handyfoto von den Ergebnissen mache.

Ich bin ein großer Verfechter, das beste aus zwei Welten rauszuholen. Schließlich scanne auch auch die Negative und nicht jedes Bild wird auf Papier ausbelichtet, die meisten schaffen es nur bis ins Bearbeitungsprogramm.

Dennoch bin ich mir bewusst, dass das ein Bruch ist. Ein notwendiger, da ich die Fotos ja nicht per Brief rumschicken mag, um sie euch zu zeigen. Entweder ich behalte die Ergebnisse für mich oder ich nehme in Kauf, dass aus den wunderschönen kleinen zarten Körnchen auf dem Fotopapier wieder banale Pixel werden.

Es ist ein bisschen wie Kauderwelsch, Durcheinandergeratenes und es fühlt sich für mich schräg und unverständlich an. Wenn ich überlege, wie viel Arbeit ich in der Dunkelkammer leiste, wie mühsam ich scharf stelle, die notwendige Belichtungszeit austüftle, die meiste Zeit in einem dämmrigen oder nahezu stockdunklen Raum stehe und mir (da er im Keller ist) die Nasenspitze abfriere, erscheint mir so eine einfache Abfotografie dem nicht gerecht zu werden.

Was bedeutet das also? Betrüge ich mich gerade ein bisschen selbst, jetzt, wo ich recht stolz meine gelungenen Abzüge betrachte, überlege, ob ich vielleicht eines davon rahmen soll und aufhängen. Jetzt, wo ich mir analog auf die Schulter klopfe und mich so autark wie möglich von der Pixelfotografie fühle? Belüge ich mich, wenn ich Filmrollen bunkere und Entwickler teste, mich dabei wie ein rückwärtsgerichteter Pionier fühle, eine, die erhält, was bei vielen Fotosüchtigen belächelt wird, inzwischen wie ein Relikt aus einer versunkenen Welt wirkt und doch vor knapp 25 Jahren noch durchaus üblich und normal war?

Die Antwort ist ein einfaches Ja, denn ohne das ganze digitale Drumherum würde wirklich nicht mehr viel gehen. Das fängt damit an, dass ich hier bei mir bestenfalls ein paar Durchschnittsfilmrollen beim ansässigen Drogeriemarkt finde und die Bilder auch nur dort mit viel Zeit- und Geldaufwand entwickeln lassen könnte. Möchte ich anderes Material und selbst entwickeln, müsste ich – rein analog – zu einem Laden fahren, der sie verkauft. Mein Lieblingsshop ist in Berlin und das ist eine ganz schön nette Strecke für ein bisschen Film. Also bestelle ich online. Habe ich Probleme, suche ich auch nur noch selten die Anleitungen heraus (die ich in den meisten Fällen aber auch nicht besitze), sondern frage per Mail oder in Gruppen nach, wo sich Gleichgesinnte treffen.

Ich scanne, wie erwähnt, damit ich einen Eindruck vom Bild bekomme und natürlich, um es in den digitalen Medien zu zeigen und ein bisschen Lob einzuheimsen. Gut gemacht, ich klopfe mir im Gleichtakt mit den digitalen Likes analog auf die Schulter und genieße für einen Moment das Gefühl, Purist zu sein. Dann erwache ich aus dem Traum und tippe ein paar Antworten auf Fragen zum Bild.

Ich kann die Zeit nicht zurückdrehen, will ich auch nicht. So, wie es ist, ist es gut. Früher habe ich auch nicht alle Filme und alle Chemie in meinem Heimatort bekommen. Da wäre ich da auch nicht so leicht drangekommen. ich hätte per Post einen Katalog bestellen müssen, dann dort suchen, die Wünsche in ein Formular eintragen und alles abschicken müssen. Drei Wochen später hätte ich mit der abgezählten Nachnahme hinter der Tür gestanden, um das Paket entgegenzunehmen. Und gesehen hätte die Bilder vielleicht meine Mutter. Und die hätte dann gestaunt und sich umgedreht, um das Mittagessen zu machen. Ahnung hatte sie davon nicht.

So, wie es ist, ist es gut. Nur ganz verschwinden, irgendwann digital überrollt werden, das darf sie nicht, die analoge Fotografie. ich würde sie sehr vermissen.

Alice aus der Dunkelkammer