Im dunklen Keller

Analoge Fotografie, Dunkelkammer

Wer nicht nur entwickeln möchte, sondern auch Papierabzüge herstellen, kommt an einer Dunkelkammer nicht vorbei. Ich muss gestehen, ich habe es im Badezimmer versucht und auch im hauswirtschaftsraum. Der Vorteil ist fließendes Wasser, der Nachteil Platzmangel und in meinem Fall ganz massiv die Schwierigkeit, sämtliches Licht auszusperren, denn das ist die Voraussetzung.

Was habe ich nicht alles gebastelt mit Müllbeuteln und Tüchern, nur um am Ende festzustellen, dass sich immer noch ein Lichtschein durchschlängelt und ich – bevor ich loslegen kann, noch abkleben und bedecken muss. Der Keller erschien mir immer als gute Idee, nur der war feucht. Ohne es zu wissen, hatten wir einen Riss in einer Abwasserleitung und das tröpfelte. Und bei einem so alten Haus hinterfragt man nicht so viel, da ist der Keller feucht, basta. Erst, als das angeknackste Rohr endgültig den Geist aufgab, merkten wir, was da los war. 40m³ Wasser im Keller, großer Schaden, doch leider nicht zu ändern. Und rückblickend tatsächlich ein Segen.

Es dauerte, bis alles trocken war, ein Luftentfeuchter steht immer noch dort unten, aber wir haben komfortable 55%, da sollte nichts schimmeln, gammeln oder rosten. Und da unten ist dieser kleine Raum, fensterlos, ein etwa 8m² großes Nebengelass. Ich nahm es für mich in Anspruch. Wir strichen den bröseligen Putz mit Tapeziergrund, in den wie – aus Sicherheitsgründen – so ein Antischimmelzeug gekippt hatten. Der Tapeziergrund verfestigt den Putz, das Schimmelzeug dient der Beruhigung, denn dort unten haben sich mal ausreichend Sporen getummelt. Ich muss gestehen, dass ich, was Schimmel angeht wirklich empfindlich bin. Aber dort unten juckt noch nicht mal die Nase.

Vor der Tür hängt schweres schwarzes Molton, ein feuerresistenter, preiswerter und absolut lichtdichter Schutz. Lediglich ein separater Lichtschalter für den hinteren Raum fehlt (noch), ich habe immer Sorge, dass im falschen Moment jemand runterkommt und die Festbeleuchtung einschaltet.

Über die letzten zwei Jahre war ich auf Schnäppchenjagd. Vergrößerer sind recht günstig zu bekommen, wenn man die Augen aufhält. Ich bin – mehr durch Zufall – bei Durst gelandet und geblieben. Seit gestern habe ich den dritten und größten dieses Herstellers und damit ist Schluss. Mehr Platz habe ich nicht und der Nächstgrößere würde ein halbes Vermögen kosten, Schnäppchen hin oder her. Da ich mit Kleinbild begann, suchte ich einen kleinen netten und auch mobilen (noch keine feste Dunkelkammer) Vergrößerer und fand diesen hier.

Ausgestattet mit einem 50mm Objektiv, noch ohne Maskenrahmen und ähnlichen Luxus, verfügt er zumindest über eine Filterschublade. Der Rest ist simpel , reicht aber, um das Prinzip verstehen zu lernen. Ich muss gestehen, dass die ersten Ergebnisse ernüchternd waren, doch das lag an mir und nicht an der Ausstattung. Dann kamen die Mittelformatkameras in mein Leben und damit die großen negative, also 6x6cm. Die lassen sich bestenfalls ausschnittweise damit auf Papier bannen, deswegen schaute ich mich um und fand diesen hier.

Der Durst 606 kann schon eine ganze Menge, ist locker doppelt so groß wie der erste und wäre eigentlich ausreichend gewesen. Wäre, wenn nicht der Sohn auf die Idee gekommen wäre Planfilm zu belichten. Jetzt kann ich Planfilm sehr gut scannen, doch der Sohn jammerte und ich schaute nachdenklich auf die 6×9 Negative. Kurzum, ich schaute mich um und fand dieses Geschoss.

Der Durst M700 ist verflixt groß und schwer und wird definitiv der letzte sein in dieser Riege. Von Papierabzügen von Planfilm (bzw. 6×9-Ausschnitt davon) bin ich noch einen Einschubkondensor entfernt, doch das ist ein Problem, was sich lösen lassen wird. Der beiliegende hat – neben einem kleinen Schlag) – leider die falsche Größe. Der Unicon 85 ist für Mittelformat 6×6 vorgesehen und wenn man sich trotzdem an das Ausbelichten setzt, passiert dann das hier.

Das Bild ist nicht vollständig und gleichmäßig belichtet, es gibt dunklere und recht blasse Stellen. Ein größerer Einschubkondensor würde das vermeiden. leider sind diese Teile recht teuer, also steht noch einmal Schnäppchenjagd auf dem Programm. Wäre ja auch schön, wenn alles so einfach wäre.

Alice aus der Dunkelkammer

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19 Gedanken zu “Im dunklen Keller

      1. So schlimm ist es nicht eher ein langes Wochenende 😉 eine Heizung steht unten, aber rein kann sie nicht weil zu eng. Und vor dem Vorhang bringt sie nichts. Ich mache sie jetzt immer ein halbes Stündchen vorher an, damit es nicht ganz so eisig ist.

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  1. Nach einem hinreichend großen Kondensor für Planfilm hab ich auch schon eine Weile vergeblich gesucht. Solltest du eine Geheimtipp-Quelle auftun, die mehr als deinen Bedarf decken kann, freue ich mich über einen Tipp …

    Aber ziemlich modern ausgestattet bist du … Mein Großer ist Baujahr ca. 1945 🙂

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      1. Für kein spezifisches Modell – es muss einfach nur eine Kondensorlinse sein, die 9×12 oder gern auch größer abdeckt. Die würde ich nicht im Vergrößerer verwenden, sondern dafür, Großformatnegative mit einem UV-Fluter durch die Großformatkamera hindurch zu projizieren, um ohne die Notwendigkeit von Umkopien vergrößerte Cyanotypien zu erstellen 🙂

        Hab ich tatsächlich schon so gemacht, aber die erforderlichen Belichtungszeiten sind jenseits von Gut und Böse, wenn man die weniger giftige klassische Rezeptur nimmt und keine Sammellinse hat – 24 Stunden sind in der Regel noch zu wenig, und das ist dann ja auch mit LED-UV-Flutern Energieverschwendung de luxe.

        (Falls du übrigens dich grade fragst, „spinnt der“ – die Antwort ist JA ;-))

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      2. Hab ich auch nicht, das Know-how. Versuch, Irrtum, nächster Versuch, wann immer ein bisschen Zeit bleibt – also leider selten. Ich glaube, das kannst du doch auch ganz gut, so wie sich das bei Kreativthemen hier darstellt …

        (So richtig harte Analogfoto-Experten würden mich vermutlich gar nicht ernst nehmen, dafür bin ich zu verspielt. Hab zwar damals an der Materialausgabe die dreifache Portion Perfektionismus abbekommen, aber die verbrauche ich komplett im Job.)

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