Doppeltgemoppelt

Analoge Fotografie, Kamera

Analoge Kameras belegen mittlerweile eine Nische. Früher gehörten sie zu jedem Haushalt, genau wie der Barschrank und die Kittelschürze der Oma. Und genau wie die genannten, scheinen sie sich überholt zu haben. Als die digitalen Kameras auf dem Markt erschienen, wurden die analogen fast überall in den Winterschlaf versetzt. Oft landeten sie im Sozialkaufhaus oder wurden noch schnell weiterverschenkt. Bloß weg damit, war der Tenor.

Glücklicherweise haben sie in dieser Nische überlebt. Es werden immer noch Filme produziert, sogar entwickeln lassen kann man sie noch, wenn man einen langen Atem hat. Vielleicht liegt es daran, dass die Digitalen sich nicht davon bedroht fühlen. Wer mit einem Dreipfundmonstrum, an dem alles rein manuell eingestellt werden muss, durch die Stadt streift, wird eher als Freak belächelt. Die Überzeugung, dass jedes Handy bessere Bilder mache, als dieses mechanische Trum, ist weit verbreitet.

Es ist ja auch richtig, dass mit nahezu jeder Durchschnittssoftware solche Effekte wie auf diesem Bild erzeugt werden können. Wahrscheinlich sogar bessere.

Als ich vor etwa zwei Jahren begann, mich ernsthafter mit analoger Photographie auseinanderzusetzen, las ich einen Artikel, in dem es um Doppelbelichtungen ging, rein analog, versteht sich. Und in mir regte sich der Wunsch, das ebenfalls zu probieren. Da die Porst CR-1 nicht dazu gedacht war, Doppelbelichtungen zuzulassen, belichtete ich den ganzen Film normal. Ich fotografierte Bäume und Häuser, Zweige und Strukturen. Allerdings belichtete ich den ISO 100-Film so, als hätte er eine doppelt so hohe Empfindlichkeit. Danach spulte ich ihn zurück, passte auf, dass die Lasche nicht in der Hülse verschwand und legte ihn noch einmal ein. Selbes Spiel, nur dieses Mal landeten auch ein paar Portraits darunter.

Wunderbarerweise ist bei meinem ersten Versuch nicht passiert, was mich seitdem bei Doppelbelichtungen verfolgte. Der Film ist nicht einen Millimeter verrutscht und jedes zweite Bild sitzt exakt auf dem des ersten Durchgangs. Das habe ich seitdem übrigens nicht mehr geschafft und nutze zugegeben mittlerweile eine etwas modernere Canon, die Doppelbelichtungen integriert hat. Da ist dann auch ein wenig mehr Kontrolle darüber vorhanden, welche Bilder miteinander kombiniert werden.

Doppelgemoppelt, ich glaube, das Wort sagt heute kaum noch jemand.

Alice aus der Dunkelkammer

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10 Gedanken zu “Doppeltgemoppelt

  1. Das Baum-Portrait ist ja irre. – Dein Eintrag erinnert mich an ein Experiment, das ich vor Jahren mit einem Bekannten gemacht habe: Kompletten Film unterbelichten, dann ab in die Post und der Adressat belichtete ihn dann noch mal. Passte zwar hinten und vorn nicht mit der Überlappung, aber ein paar überraschende Sachen waren doch dabei.

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    1. Ja das war echt der absolute Glücksfall. Und dieses Experiment mit dem Verschicken finde ich super. Am besten mit Edding den Anfang markieren und die erste Rutsche überwiegend dunkle Motive, dann geht es einigermaßen. Hab auch schon überlegt, es mit dem Planfilm zu versuchen, müsste gut klappen

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  2. Doppelbelichtung. Ich liebe es. Ich habe so ein Doppelgängerfilter, der eben mit diesem Rückspulen arbeitet. Da kannst aus jeder Person einen Zwilling machen.
    Das ist einer der Filter, die jetzt im digitalen Zeitalter leider „vergammeln“.

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