Heureka

Analoge Fotografie, Kamera

Manchmal macht es einfach Klick und das nicht nur, wenn ich den Auslöser betätige.

Heutzutage, bei der Benutzung digitaler Aufnahmegeräte, ist die Nachbearbeitung nahezu ein Muss. (Abgesehen von Handyaufnahmen, wo schon beim Fotografieren automatisch so viel optimiert wird, dass vom echten Bild nur noch Rudimentäres bleibt) Die Anderen nehmen in RAW auf (mach ich auch, wenn ich mal digital unterwegs bin) und entwickeln das Bild mit irgendeinem Bearbeitungsprogramm. Und vollkommen egal, welches man nutzt, ob Lightroom, Photoshop oder Luminar, alle haben eine Möglichkeit dunkle Bereiche aufzuhellen oder zu helle abzudunkeln.

Gut, abdunkeln heißt nachbelichten, das leuchtet relativ schnell ein, wenn man ein bisschen Ahnung von der Materie hat. Aber abwedeln? Was hat wedeln mit Licht zu tun? Heute morgen, als ich in der Wanne saß, die Haarfarbe die grauen Strähnchen entfernte und ich ganz entspannt über die nächste Dunkelkammersession sinnierte, fiel es mir ein. In der Anleitung meines großen Durstvergrößerers, die mein Sohn netterweise aus dem Englischen übersetzte, fanden sich auch Tipps und Tricks. Und einer davon war das Abwedeln. Aber dieses Mal vollkommen analog.

Ist das Bild also an einer kleinen Stelle zu dunkel und die Kontraste drohen abzusaufen, nimmt man ein Stück Draht, klebt vorne einen Minizettel dran und wedelt bei der Belichtung mit dem Vergrößerer an der zu dunklen Stelle. Dadurch kommt weniger Licht daran und die Stelle bleibt heller. Es ist wirklich witzig, wie sich solche Begriffe im digitalen Zeitalter halten. Für mich war es eine Erkenntnis, versierte Analogfotografen werden wahrscheinlich nur abwinken und müde lächeln.

Alice aus der Dunkelkammer

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15 Gedanken zu “Heureka

  1. Genau das ist mein Standardbeispiel dafür, warum ich es lieber mag, Dinge erst auf die analog-handwerkliche Weise zu lernen, bevor man sich mit ihrem digitalen Äquivalent beschäftigt. Es ist ja nicht nur die Begrifflichkeit des Abwedelns, sondern auch der je nach Abstand unterschiedlich weiche oder harte Rand der Maske usw., man bekommt einfach besser ein Gefühl dafür, warum Sachen auf diese-und-jene Weise in der EBV angelegt sind und wie man sich das zunutze macht.

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    1. Jepp, da bin ich ganz bei dir. Allerdings beißt du da wahrscheinlich bei der nachwachsenden Generation auf Granit. Mich juckt es in den Fingern, diese Frage mal in einer der Fotogruppen bei FB zu stellen. Allerdings kann man es sicher schnell googeln.

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      1. Mit dem Granit liegst du wohl richtig. Als ich Design studiert habe, gab es noch ein komplettes Semester Schriftentwicklung per Tusche und Feder und natürlich auch Dunkelkammer und Reprotechnik, der Mac war erst ab dem fünften Semester im Einsatz. Das würde sich heute kaum noch ein Studi gefallen lassen (Ausnahmen gibt es noch, wo klassisches Handwerk intensiv gelehrt wird, aber das sind Einzelfälle).

        Und ich will das auch gar nicht verklären, der Rechner hat unglaublich viele Vorteile in sehr vielen Kontexten. Aber es ist einfach entsetzlich öde, dass sich in Photoshop Abwedeln genauso anfühlt wie Nachbelichten, wie Zuschneiden, wie Kontraststeigerung, … Diese sensorische Monotonie am Rechner kann einen echt fertig machen.

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      2. Ja, da bin ich bei dir, auch wenn ich nicht ganz darauf verzichten möchte. Das beste aus zwei Welten, sage ich immer und drehe manchmal ganz bewusst an den Reglern, nur um zu sehen, was passiert und wo ich die Grenzen ausreizen mag. Mit Fotografie hat das wenig zu tun, eher mit Kunst, wenn es bedacht ist und der Effekt gewollt. Aber manchmal habe ich auch ganz puristische Züge, das kommt auf Bild, Laune und Ziel an. Ich beneide dich (nicht nur) ein wenig um diese fundierte Ausbildung, autodidaktisch ist das manchmal echt hartes Brot und viele Fehler wären vermeidbar. Ich erinnere mich an den Sohn der Nachbarn, der war sieben Jahre älter als ich. Er machte im Ort eine Ausbildung als Schriftsetzer und durfte auch Radierungen anfertigen. Und er hat, das allerdings privat, eine kleine Dunkelkammer im Keller gehabt, da durfte ich auch mal zusehen.

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      1. Analog.
        Das Einzige was ich an meinen Fotos mache, die du auf meinen Blog siehst, ist a) Helligkeit/Kontrast und b) Schärfen. Mehr bastel ich nicht herum. Halte nichts von diesen ganzen „photoshopereien“ etc.

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      2. Kommt drauf an, ob du als jpeg oder RAW fotografierst. Bei RAW mache ich immer Weißabgleich und Belichtungskorrektur. Und dann natürlich zuschneiden (ich bin IMMER schief) und eventuell die Bildaussage durch kleine Korrekturen verbessern. Ich muss allerdings gestehen, dass ich eine unglaubliche Schwäche für diese Retrofilter habe, da werde ich regelmäßig schwach…🙈

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      3. Na, das sehe ich ein bisschen anders, aber okay. Sogar ein Handy kann inzwischen RAW 🙂 Aber wenn du so lieber fotografierst, ist es doch vollkommen okay. Manche bearbeiten gerne nach, andere lieben das Ergebnis möglichst pur. (allerdings sollte dir bewusst sein, dass bei Aufnahmen als Jpg die Kamera bereits optimiert)
        Lieben Gruß
        Alice

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      4. Die Bilder sind im Blog bzw. in fast allen Blogs pixeltechnisch heruntergeregelt, damit sie nicht so viel Platz wegnehmen. Wozu also speicherintensive RAWs machen, wenn es unnütz ist? 😉
        Ich fotografiere eigentlich zu 90% nur für die Blogs. Und die paar Bilder, die in 10×15 ausgedruckt wurden, haben auch als jpg genug Farbe und sind pixelfrei. 🙂

        Will sagen, du bist mit Leidenschaft eine Hobbyfotografin – ich eher weniger.

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  2. An der Stelle möchte nein muss ich Einspruch rufen.
    Digitale Fotografie bedeutet nicht zwangsläufig eine digitale Nachbearbeitung. Das ist falsch.
    Digitale Fotografie biete allerdings eine schnellere Nachbearbeitung des Ausgangsmaterial an. Punkt.
    Nicht mehr und nicht weniger.
    In der analog Fotografie, ist die Nachbearbeitung der Bilder einfach aufwendiger. Für viele mehr Handwerk.
    Doch auch das Nachbearbeiten digital kann Handwerk sein. Wenn man nicht einfach mit fertigen Filtern arbeitet.
    Zu sagen das NUR analog Handwerk ist. Halte ich für absolut falsch. Es ist Augenwischerei.
    Ein „wirklicher“ Fotograf wird „immer“ versuchen das Endergebnisse, also das fertige Bild. Nur mit der Kamera zu erzeugen. Und dabei ist es vollkommen egal ob es analog oder digital erstellt wird.

    Der Weg ist das Ziel.

    Vg Lars

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    1. ich glaube, da habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Handwerk bedeutete für mich in diesem Zusammenhang wörtlich Handwerk. Dabei ist einen Regler schieben was anderes als mit einem Zettel über dem Positiv herumzuwedeln. Das Abwedeln mancher Bereiche, wie es digital auch bei in RAW aufgenommenen Fotos üblich ist, geht ja auf diese manuelle Tätigkeit zurück und nicht andersherum. Diese Technik (also den Ursprung) kennt ja kaum noch jemand, deswegen habe ich mich so über meine Erkenntnis gefreut. Was die „wirkliche“ Fotografie angeht, da gehen unsere Meinungen tatsächlich auseinander. ich möchte nicht die blanke Realität abbilden, sondern mit den Fotos erzählen, wie ich mich gefühlt habe. Und da muss ich auch mal zuschneiden, abdunkeln oder den Himmel etwas dramatischer machen, als er war. Aber da hängt es natürlich davon ab, was man darstellen will. Ein Naturfotograf sieht das wahrscheinlich ganz anders, aber er will ja auch etwas anderes erzählen.
      Liebe Grüße

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